Mikrokosmos Darm

Als ich beschloss einen Beitrag über das Thema Darm zu schreiben, wusste ich erstmal garnicht wo ich anfangen soll. Den Darm auf eine DIN A4 Seite kriegen – wie soll das gehen?
Um das ganze Thema letztendlich etwas einzudämmen, beschloss ich, fünf Fakten über den Darm niederzuschreiben, die meinen Alltag am Meisten prägen. In den kommenden Wochen werde ich jedem Untertitel einen eigenen Beitrag widmen, um das Thema etwas detaillierter zu beleuchten.

Der Darm und das Immunsystem
Der Darm beherbergt ca. 70-80 % der Immunzellen und ist somit das größte Immunorgan des Körpers. Besonders das sekretorische Immunglobulin A (sIgA) spielt hier eine wichtige Rolle, da es die Entzündungsreaktionen an den Schleimhäuten reguliert, Krankheitserreger bindet und verhindert, dass Nahrungsmittelallergene als bedrohlich eingestuft werden.

Auch unser Mikrobiom ist hier eine nennenswerte Instanz:
So trainieren die „guten“ Darmbakterien etwa das Immunsystem, konkurrieren mit pathogenen Keimen und bilden schützende Stoffe, wie z.B. Butyrat, welches bekanntermaßen entzündungshemmend wirkt und die Darmschleimhaut stärkt.

Der Darm und das Nervensystem
Der Darm und das Nervensystem sind eng miteinander verbunden. Hierbei fallen oft die Begriffe Darm-Hirn-Achse, Bauchhirn oder auch Enterisches Nervensystem. Gemeint sind hierbei unterschiedliche Dinge:

Darm-Hirn-Achse beschreibt wie unser Gehirn, unser Nervensystem, sowie unser Darmmikrobiom miteinander kommunizieren uns sich gegenseitig beeinflussen. Zwei zentrale Kommunikationswege sind zum einen der Vagusnerv, welcher zum parasympathischen Nervensystem gehört und Verdauungstätigkeiten mitreguliert, zum anderen die Darmbakterien, welche Vorstufen von diversen Neurotransmittern bilden. Diese wiederum wirken auf unser Nervensystem, und beeinflussen somit z.B. unsere Stimmungslage. Das Bauchhirn bzw. Enterische Nervensystem hingegen umfasst die Millionen von Neuronen, welche in unserer Darmwand zu finden sind und Darmmotilität, Durchblutung und Schleimproduktion regulieren. Dabei arbeitet das Bauchhirn teilweise unabhängig vom Gehirn.

Der Darm und das Hormonsystem
Das Mikrobiom und der Darm selbst haben Auswirkungen auf das Hormonsystem des Menschen, und produzieren auch selbst Hormone, vor allem solche, die Appetit, Verdauung und Blutzucker regulieren. Auch der Zusammenhang zwischen den Darmbakterien und unseren Sexualhormonen, vor allem Östrogen, ist ein interessantes und wachsendes Forschungsgebiet. Mittlerweile weis man, dass bestimmte Darmbakterien – Östrobolom genannt – beeinflussen, wie viel Östrogen über den Darm ausgeschieden und wieviel wieder rückresorbiert wird. Dies geschieht über ein von den Darmbakterien synthetisiertes Enzym – die Beta Glucuronidase. Im Falle einer Dysbiose kann es zu einer erhöhten Sekretion des Enzyms kommen mit resultierender erhöhter Rückresorption von Östrogen, was wiederum PMS, Wassereinlagerungen und Zyklusstörungen zur Folge haben kann.

Auch unsere Schilddrüsenhormone sind stark abhängig von unserer Darmgesundheit: chronische Entzündungen und eine gestörte Darmflora verhindern die adäquate Aufnahme von verschiedenen Nährstoffen (z.B. Selen, Eisen, Jod und Zink), welche für die Synthese der Hormone notwendig sind. Zusätzlich spielen die bereits mehrfach erwähnten stillen Entzündungen eine Rolle. Diese können über verschieden Mechanismen hormonelle Regelkreise stören.

Der Darm und Entzündungen
Unsere Darmgesundheit steht im Zusammenhang mit allerlei Entzündungsprozessen. Diese Entzündungen beschränken sich nicht nur auf den Darm selbst, wie etwa Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, sondern umfassen auch andere ortsfremde und systemische Entzündungsvorgänge, z.B. rheumatische Polyarthritis oder Neurodermitis.

Wie bereits oben erwähnt ist ein Großteil der körpereigenen Immunzellen im darmassoziierten Immunsystem zu finden. Diese Zellen entscheiden permanent, was harmlos ist und was bekämpft werden muss. Gerät dieser Vorgang aus dem Gleichgewicht, kann es Entzündungen fördern. Auch unsere Darmschleimhaut stellt eine wichtige Barriere dar. Ist diese zu durchlässig (Leaky Gut), können Bakterienbestandteile und unverdaute Nahrungsreste ins Blut gelangen und Entzündungsreaktionen auslösen.

Besonders stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Alkohol, sowie Rauchen und Bewegungsmangel fördern diese stillen Entzündungen und können somit Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Morbus Alzheimer und viele mehr begünstigen.

Der Darm und Übergewicht
Die Zusammenhänge zwischen unserem Darm und unserem Körpergewicht sind vielfältig und noch weitesgehend unerforscht. Vor einiger Zeit noch ging man davon aus, dass Übergewicht teilweise mit einer falschen Zusammensetzung der Darmbakterien, insbesondere das Verhältnis zwischen Firmicutes und Bacterioidetes, zu begründen sei. Von dieser Meinung ist man aber wieder abgekommen, da die Datenlage nicht klar, und sogar teils widersprüchlich ist. Worin man sich aber heutzutage einig ist, ist, dass die Diversität unseres Mikrobioms eine entscheidende Rolle spielt. Festgestellt wurde zum Beispiel, dass bestimmte Darmbakterien aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren bilden, welche ein Peptid namens GLP-1 erhöhen. GLP-1 wiederum senkt den Appetit und wirkt Blutzucker regulierend.

Auch stille Entzündungen zum Beispiel im Rahmen eines Leaky Gut spielen hier wieder mit rein:
Ist die Darmschleimhaut zu durchlässig und bakterielle Bestandteile dringen dadurch vermehrt in den Blutkreislauf, fördert dies Entzündungen und kann die Insulinwirkung negativ beeinflussen, was eine Gewichtszunahme begünstigt.

Fazit
Der Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig.
Mehr und mehr wird klar, dass er eine zentrale Rolle in unserem Körper spielt, und diesen auf vielfältige Weise beeinflusst – nicht nur auf rein physischer Ebene, sondern auch auf geistig-seelischer. Es ist immer ratsam, den Darm genauer unter die Lupe zu nehmen, um potenzielle krankheitsbegünstigende Faktoren zu identifizieren, und den Menschen ganzheitlich zu behandeln.

Hier im Boutiquehotel Ochsen arbeiten wir mit einem der führenden Labore zur Diagnostik von darmbezogenen Dysbalancen zusammen. Mit Hilfe einer detaillierten Stuhluntersuchung können bakterielle Verschiebungen der Darmflora, sowie Entzündungen und Unverträglichkeiten aufgedeckt und gezielt behandelt werden.
Für weitere Informationen sprechen Sie uns gerne an!

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Blog-Beiträge einzig und allein der Wissensübermittlung dienen, und keinen Arzt- oder Therapeutenbesuch ersetzen. Bitte sammeln Sie nur Wildkräuter, wenn ausreichend Wissen über die Erkennungsmerkmale vorhanden ist und keine Verwechslungsgefahr mit anderen potentiell giftigen Pflanzen besteht.

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