Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Von Juni bis September ist auf Brachland, sowie Wiesen-, Wald- und Wegrändern das echte Johanniskraut zu finden.
Von den weltweit ca. 400 Johanniskrautarten sind elf bei uns beheimatet, und an ihren leuchtend gelben Blüten sowie den typisch grünen Blättern mit kleinen schwarzen Punkten zu erkennen. Zerdrückt man die Blätter oder Blüten, quillt ein rötlicher Saft aus. Dies führte dazu, dass man im Mittelalter glaubte in eben diesem rötlichen Saft das Blut des Johannes des Täufers zu erkennen, was zu der Namensgebung der Pflanze beitrug.
Geschichte
Seit nun mehr als 2000 Jahren wird Hypericum als Heilpflanze verwendet.
In der Antike wurde es bereits als Wundheilmittel eingesetzt, und im Mittelalter als Apotropaikum, ein „unheilabwehrendes Mittel“, und fand so beispielsweise Anwendung bei Exorzismen. Besonders in der Johannisnacht, die Nacht der Sommersonnenwende am 21. Juni, sollte es seine Lebensenergie steigernde Wirkung entfalten. Seit Paracelsus im 16. Jahrhundert über die Wirkung des Krauts bei Schwermut schrieb, findet es Anwendung als Antidepressivum und bei psychovegetativen Störungen.
Inhaltsstoffe & Wirkung
Die starke und vielseitige Wirkweise hat das Johanniskraut seiner besonderen Mischung an Inhaltsstoffen zu verdanken.
Das Hypericin verleiht dem Johanniskrautöl seine rote Verfärbung, und ist neben dem Hyperforin für die stimmungsaufhellenden Eigenschaften der Pflanze verantwortlich. Nebendessen wirkt es zudem photosensibilisierend, d.h. es erhöht die Sensibilität der Haut gegenüber Licht.
Auch an Flavonoiden, ätherischen Ölen und Gerbstoffen mangelt es der krautig gelben Pflanze in keiner Weise. Dadurch wirkt das Johanniskraut entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und beruhigend. Innerlich wird Hypericum in erster Linie bei leichten bis mittelschweren Depressionen, sowie psychovegetativen Störungen, wie etwas nervöse Unruhe und Schlafstörungen, eingesetzt.
Äußerlich findet es insbesondere in Form von Rotöl (Johanniskrautöl) Anwendung, etwa bei
Wundheilungsstörungen, Muskelkrämpfen oder Sportverletzungen.
Anwendung & Zubereitung
Zur Herstellung eines Johanniskrautmittels kann das ganze Kraut verwendet werden, sprich alles oberhalb der Wurzel.
Bei Unruhezuständen oder Schlafstörungen lohnt es sich eine Tasse Johanniskrauttee zu sich zu nehmen. Hierfür einfach eine Handvoll des Krauts mit ca. 200 ml kochendem Wasser übergießen, für 10 Minuten ziehen lassen und dann abseihen.
Zur Behandlung leichter depressiver Verstimmungen empfiehlt es sich auf ein Johanniskrautpräparat aus der Apotheke zurück zu greifen, da diese über einen standardisiertes Wirkstoffgehalt verfügen. Wer selbst ein Rotöl zur äußerlichen Anwendung herstellen möchte kann frisch blühende
Johanniskrautspitzen zerkleinern, ein Schraubglas zu 3/4 damit befüllen und mit einem hochwertigen kaltgepressten Pflanzenöl übergießen.
An einem hellen Ort stehen lassen, täglich durchschütteln und dann nach 4-6 Wochen abseihen und bestenfalls in einer Braunglasflasche lagern.
Kontraindikationen
Bei der Anwendung von Johanniskraut ist in einige Fällen Vorsicht geboten.
Vor allem bei der Einnahme anderer Medikamente sollte dies vorher mit dem zu behandelnden Arzt abgesprochen werden, da Johanniskrautpräparate den Leberstoffwechsel beeinflussen, und somit die Wirkung der Medikamente herabsetzen können. Auch bei schweren Depressionen sollte Hypericum nicht angewendet werden, da hierfür die Wirkung nicht ausreichend genug ist. Weitere Kontraindikationen stellen Schwangerschaft- und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren, sowie bereits bestehende Photosensibilität dar.
Wir möchten darauf hinweisen, dass die Blog-Beiträge einzig und allein der Wissensübermittlung dienen, und keinen Arzt- oder Therapeutenbesuch ersetzen. Bitte sammeln Sie nur Wildkräuter, wenn ausreichend Wissen über die Erkennungsmerkmale vorhanden ist und keine Verwechslungsgefahr mit anderen potentiell giftigen Pflanzen besteht.
