Heilpflanze des Monats August

Beifuß (Artemisia vulgaris)

In unserer Region leider weniger verbreitet, aber dennoch mehr als erwähnenswert, ist der Gemeine Beifuß. In manchen Traditionen sagt man ihm über 80 verschiedene Heilwirkungen nach, was ihn auf der Nordhalbkugel zu einem geschätzten und vielseitig einsetzbaren Kraut macht. Auch in der westlichen Küche ist er nicht weg zudenken, und macht so manch schwer bekömmliches Gericht leichter verdaulich.
Das bis zu einem Meter hohe Kraut ist an Wegrändern, Hecken und Hängen zu finden, und sollte am besten vor seiner Blüte im August gesammelt werden. Sein lateinischer Namen „Artemisia“ leitet sich von der griechischen Göttin Artemis – Die Hüterin der Frauen und Jägerinnen – ab, was uns schon erste Aufschlüsse über seine Heilwirkung geben kann.

Geschichte
Der Gemeine Beifuß gilt als eine der ältesten und traditionell wertvollsten Heilpflanzen Europas, und wurde sogar im elften Jahrhundert verfassten Macer floridus als „Mater herbarum“ – Mutter der Kräuter – betitelt. Bei den Römern und Griechen wurde Artemisia vulgaris bei Verdauungsleiden und Krämpfen verwendet, wofür es auch noch im Mittelalter Anwendung fand, wie sich in den Schriften der hl. Hildegard von Bingen nachlesen lässt. Zur Sommersonnenwende band man Gürtel aus der Heilpflanze und warf diese ins Johannisfeuer, um böse Geister und Krankheiten abzuwehren. Auch heute wird das Kraut gerne noch zum Räuchern benutzt.

Inhaltsstoffe & Wirkung
Der Beifuß enthält eine wertvolle Mischung aus ätherischen Ölen, Bitter- und Gerbstoffen, sowie sekundären Pflanzenstoffe. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle variiert je nach Standort, und umfasst unter anderem Linalool, Cineol, Kampfer und Thujon. Wegen Letzterem sollte Beifuß nur in Maßen eingenommen werden, da Thujon in hohen Mengen giftig wirken kann. Alles in allem wirkt Beifuß krampflösend, verdauungsfördernd und appetitanregend. In der Frauenheilkunde wird es aufgrund seiner menstruationsregulierend Wirkweise geschätzt. Zusätzlich kann man es bei nervöser Unruhe und Einschlafstörungen unterstützend einnehmen.

Anwendung & Zubereitung
Das bittere Kraut kann sowohl innerlich als äußerlich angewendet werden. Zur inneren Anwendung lohnt es sich aus dem frischen oder getrockneten Kraut einen Tee zuzubereiten. Dazu eine Handvoll frisches Kraut bzw. einen Teelöffel getrocknetes Kraut mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und genießen. Da Beifuß sehr intensiv schmeckt empfehle ich ein paar Minzblätter als so genanntes Korrigenz beizumischen.
Zur äußerlichen Anwendung füge ich persönlich gerne etwas ätherisches Beifußöl einem neutralen Öl, wie etwa Mandel- oder Jojobaöl, hinzu, um es äußerlich bei Muskelverspannungen oder Krämpfen anzuwenden.

Kontraindikationen
Aufgrund des enthaltenden Thujon sollte der Gemeine Beifuß nicht länger als drei Wochen am Stück eingenommen werden, um zu vermeiden, dass sich toxische Inhaltsstoffe im Körper anreichern. Auch Schwangeren wird von der Einnahme abgeraten, aufgrund seiner wehenfördernden Wirkweise. Auch im Falle von akuten Entzündungen und Geschwüren im Bereich des Magen-Darm-Trakts ist die Verwendung kontraindiziert, da die Anregung der Magen- und Gallensäure die Schleimhäute zusätzlich reizen, und somit die Symptomatik verschlimmern kann.

Der Gemeine Beifuß ist eine vielseitige und traditionsreiche Pflanze, die nicht nur in der Natur häufig anzutreffen ist, sondern auch in der Kräuterkunde und Küche eine lange Geschichte hat. Seine besonderen Inhaltsstoffe und vielfältigen traditionellen Anwendungen machen ihn zu einer interessanten Heilpflanze, die bis heute einen festen Platz in der Pflanzenkunde hat.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Blog-Beiträge einzig und allein der Wissensübermittlung dienen, und keinen Arzt- oder Therapeutenbesuch ersetzen. Bitte sammeln Sie nur Wildkräuter, wenn ausreichend Wissen über die Erkennungsmerkmale vorhanden ist und keine Verwechslungsgefahr mit anderen potentiell giftigen Pflanzen besteht.

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