Heilpflanze des Monats April

Der Gundermann (Glechoma hederacea)

Ab April ist an schattigen Waldrändern und Hecken, sowie auf Wiesen und in manchen Gärten, der krautig kriechende Gundermann – auch etwa Gundelrebe, Donnerrebe, Katzenkraut oder Heckenkieker genannt – zu finden. Die Einsatzgebiete des heimischen Wildkrauts sind so vielfältig wie seine Namen, was ihn zu einem echte Multitalent macht. Heute erlebt der Gundermann eine Renaissance – egal ob als Heilpflanze in der  Hausapotheke oder Exot in der Kräuterküche.

Geschichte
Der Gundermann hat eine lange Geschichte in der europäischen Volksmedizin, und wurde bereits von den Germanen und Kelten wegen seiner heilenden Wirkung geschätzt. Auch in der Antike war das Kraut bekannt: Nicht nur die Römer, sondern auch die Griechen nutzen den Gundermann sowohl zur Behandlung der Atemwege als auch zur Wundheilung. Im Mittelalter wurde die Gundelrebe in Klostergärten kultiviert, und sogar die Heilige Hildegard von Bingen (1098-1179), eine der Mütter der heutigen Kräuterheilkunde, erwähnte ihn in ihren Schriften zur Behandlung von Erschöpfungszuständen, Brustschmerzen und Atemwegserkrankungen. Ähnlich wie die Brennnessel wurde der unscheinbaren Pflanze auch eine mythologische Bedeutung zugeschrieben: So sollte sie etwa, in der Walpurgisnacht als Kranz um den Hals gebunden, helfen Hexen besser zu erkennen und vor bösen Geistern zu schützen.

Inhaltsstoffe & Wirkung
Das zu den Lippenblütlern gehörende Kraut ist reich an Bitterstoffen, Gerbstoffen, Flavonoiden, Saponinen und ätherischen Ölen, welche ihm seine vielseitig heilsame Wirkung verleihen. Besonders ätherische Öle und Flavonoide haben eine entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung, wohingegen die Saponine dem Gundermann seine schleimlösendem Eigenschaften verleihen. In der heutigen Naturheilkunde wird das Gewächs in erster Linie innerlich zur Behandlung von Atemwegserkrankungen sowie Verdauungsproblemen eingesetzt, äußerlich in Form von Umschlägen, Bädern oder Salben bei Hauterkrankungen und Wundheilungsprozessen.

Anwendung & Zubereitung
Aufgrund seines hohen Anteils an ätherischen Ölen, welche bekanntermaßen nicht wasserlöslich sind, empfiehlt es sich die Pflanze in Form einer medizinischen Milch einzunehmen. Hierzu werden ca. zwei Esslöffel des frischen Krauts mit 500 ml Milch (mit hohem Fettanteil) zum kochen
gebracht und 15 Minuten lang ziehen gelassen. Danach abseihen und genießen. Durch seinen würzig minzigen Geschmack ist der Gundermann auch ein toller Gefährte in der Kräuterküche. Nicht nur Soßen, Suppen oder Dressings lassen sich mit dem Kraut aufpeppen, sondern auch Desserts und Süßspeisen erhalten durch die Beigabe von Gundermann eine ganz besondere Note. Zur äußerlichen Anwendungen bei Ekzemen haben sich Wickel und medizinische Bäder bewährt. Für Ersteres einfach einen Sud mit dem Kraut zubereiten, ein Baulwolltuch drin tränken, und das betroffene Hautareal umhüllen. Eine Anwendungsdauer von ca. 15-30 Minuten wird empfohlen, oder solange der Wickel als angenehm empfunden wird.

Kontraindikationen
Obwohl die Gundelrebe eine große Bandbreite an gesundheitsfördernden Wirkungen hat, ist jedoch in einzelnen Fällen bei der Einnahme bzw.  Anwendung Vorsicht geboten. Bei Personen, welche bekanntlich unter Allergien gegenüber Pflanzen aus der Gattung der Lippenblütler leiden, kann es bei der Anwendung zu allergischen Reaktionen, wie etwa Hautausschlag, Juckreiz oder Atembeschwerden kommen. Auch Schwangere und stillende Mütter sollten vor der Anwendung Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker halten, da die Wirkungen der Heilpflanze auf Frauen in dieser Lebensphase wenig erforscht sind. Verschiedene chronische Leiden, insbesondere Stoffelwechsel- und Automimmunerkrankungen, können die Reaktion des Körpers auf Kräuter beeinflussen, weshalb auch in diesen Fällen die Anwendung nur unter Rücksprache mit  Fachkundingen erfolgen sollte.

Insgesamt steht die Gundelrebe sinnbildlich für die Heilkraft der Natur direkt vor unserer Haustür. Wer sich mit ihr beschäftigt, entdeckt nicht nur eine traditionsreiche Arzneipflanze, sondern auch einen nachhaltigen Zugang zur eigenen Gesundheit. Damit verdient sie einen festen Platz in der modernen Naturheilkunde und im bewussten Umgang mit Wildpflanzen.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Blog-Beiträge einzig und allein der Wissensübermittlung dienen, und keinen Arzt- oder Therapeutenbesuch ersetzen.
Bitte sammeln Sie nur Wildkräuter, wenn ausreichend Wissen über die Erkennungsmerkmale vorhanden ist und keine Verwechslungsgefahr mit anderen potentiell giftigen Pflanzen besteht.

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