Der Darm und das Hormonsystem

Unser Darm ist nicht nur für die Verdauung zuständig. Er steht auch in engem Kontakt mit unserem Hormonsystem und dem Gehirn. Die Darmbakterien und die Zellen des Darms können Stoffe bilden oder beeinflussen, die unter anderem Appetit, Verdauung, Schlaf, Stress und den Hormonhaushalt mitsteuern. Auch zwischen den Darmbakterien und den Sexualhormonen, insbesondere den Östrogenen, gibt es einen Zusammenhang. Dieser Bereich wird wissenschaftlich noch intensiv erforscht. Außerdem gibt es eine Verbindung zwischen Stress und Darmgesundheit: Das Stresshormon Cortisol kann den Darm beeinflussen – und umgekehrt kann der Zustand des Darms Auswirkungen auf die Stressreaktion des Körpers haben. Im Folgenden werden einige dieser Zusammenhänge einfach erklärt.

Serotonin und Melatonin
Serotonin wird oft als „Wohlfühlstoff“ bezeichnet. Ein großer Teil des körpereigenen Serotonins wird im Darm gebildet. Dort spielt es vor allem eine Rolle bei der Verdauung. Auch Melatonin wird im Verdauungstrakt gebildet. Melatonin ist vor allem dafür bekannt, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus zu steuern. Wenn es dunkel wird und der Melatoninspiegel steigt, werden wir müde.

Serotonin und Melatonin haben einen gemeinsamen Ausgangsstoff: Tryptophan. Tryptophan ist eine Aminosäure, die unser Körper nicht selbst herstellen kann. Deshalb müssen wir sie über die Nahrung aufnehmen. Sie kommt zum Beispiel in Fleisch, Milchprodukten und Eiern vor. Bestimmte Stoffe, die von unseren Darmbakterien gebildet werden, können ebenfalls beeinflussen, wie viel Serotonin im Darm hergestellt wird. Dazu gehören kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Der Darm und das Gehirn stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse miteinander in Verbindung. Deshalb können Vorgänge im Darm auch Auswirkungen auf das Nervensystem haben.

Das Östrobolom
Als Östrobolom bezeichnet man die Gesamtheit bestimmter Darmbakterien, die am Umgang des Körpers mit Östrogen beteiligt sind. Diese Bakterien bilden unter anderem ein Enzym namens Beta-Glucuronidase. Dieses Enzym kann dazu beitragen, dass Östrogen im Darm wieder freigesetzt und anschließend erneut in den Körper aufgenommen wird. Ist das Gleichgewicht der Darmbakterien gestört – man spricht dann von einer Dysbiose –, kann sich die Menge bestimmter Enzyme verändern. Dadurch kann sich auch der Östrogenhaushalt verändern.

Ein veränderter Östrogenhaushalt wird unter anderem mit Beschwerden wie PMS, Wassereinlagerungen oder Zyklusstörungen in Verbindung gebracht. Welche Rolle dabei jeweils der Darm spielt, ist jedoch noch Gegenstand der Forschung.

Cortisol und Stress
Cortisol ist ein wichtiges Stresshormon. Es hilft dem Körper, in stressigen Situationen schnell Energie bereitzustellen und sich an Belastungen anzupassen. Bei länger anhaltendem Stress kann ein dauerhaft veränderter Cortisolhaushalt auch den Darm beeinflussen. Zum Beispiel können sich Verdauung, Darmbewegung und die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern. Gleichzeitig kann der Darm über die Darm-Hirn-Achse Signale an das Gehirn senden. Deshalb beeinflussen sich Stress, Gehirn und Darm gegenseitig.

Stresshormone, Wohlfühlhormone, Sexualhormone – auch Hormone, die man nicht direkt mit dem Darm assoziiert, haben eine enge Verbindung zu dem Hohlorgan. Die Liste ist nicht vollständig. So können beispielsweise chronische Entzündungen und eine gestörte Darmflora die adäquate Aufnahme von verschiedenen Nährstoffen (z.B. Selen, Eisen, Jod und Zink) verhindern, welche für die Synthese der Hormone notwendig sind. Zusätzlich spielen die bereits mehrfach erwähnten stillen Entzündungen eine Rolle. Diese können über verschiedene Mechanismen hormonelle Regelkreise stören.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Blog-Beiträge einzig und allein der Wissensübermittlung dienen, und keinen Arzt- oder Therapeutenbesuch ersetzen. Bitte sammeln Sie nur Wildkräuter, wenn ausreichend Wissen über die Erkennungsmerkmale vorhanden ist und keine Verwechslungsgefahr mit anderen potentiell giftigen Pflanzen besteht.

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